Das Reply AI Film Festival hat am 28. Juli 2026 seine zehn internationalen Finalisten bekannt gegeben. Der Wettbewerb gilt als eines der sichtbarsten Schaufenster fuer KI-gestuetztes Filmemachen – nicht zuletzt, weil die Preise im Rahmen der 83. Internationalen Filmfestspiele von Venedig vergeben werden. Fuer alle, die selbst mit KI Videos und Kurzfilme produzieren, lohnt sich ein Blick auf die ausgewaehlten Arbeiten und die dahinterliegenden Kriterien.

Mehr als 3.000 Einreichungen aus 76 Laendern

Unter dem diesjaehrigen Motto „Imaginatio Nova“ – das Verschmelzen von menschlicher Vorstellungskraft und Technologie zu neuen Bildsprachen – gingen laut Veranstalter mehr als 3.000 Kurzfilme aus 76 Laendern ein. Ausgewaehlt wurden die Finalisten dafuer, wie kreativ und wie durchgehend sie kuenstliche Intelligenz ueber den gesamten Produktionsprozess einsetzen – vom Drehbuch bis zur Postproduktion. Dass die Jury den gesamten Workflow bewertet und nicht nur einzelne Effekte, ist ein deutliches Signal, wohin sich das Feld bewegt.

Schnittplatz mit Bildschirm und Kamera in einem Studio
Foto: Jakub Zerdzicki via Pexels (Pexels License)

Drei Auszeichnungen, eine prominente Jury

Vergeben werden drei Ehrungen: Best Short Film, der AI for Good Award fuer Arbeiten im Einklang mit den UN-Nachhaltigkeitszielen und der Reply AI Studios Grand Prix fuer den innovativsten KI-Einsatz. Den Juryvorsitz hat der Oscar-praemierte Regisseur Gabriele Salvatores. Mit am Tisch sitzen unter anderem Rob Minkoff (Co-Regisseur von „Der Koenig der Loewen“), Catherine Hardwicke (Regisseurin von „Twilight“) und der Visual-Effects-Supervisor Giacomo Mineo. Diese Mischung aus klassischem Kino und Effektexpertise zeigt, dass KI-Film laengst nicht mehr als Nische behandelt wird.

Wer im Finale steht

Zu den zehn Finalisten zaehlen unter anderem A Face Only A Mother Could Love von Robert Gaudette (Kanada), Centenarian Kindergarten des Studios 2xLabs (China) und GO HOME von Simone Paradiso (Italien). Die Bandbreite – von einzelnen Filmemachern bis zu spezialisierten Studios, von persoenlichen Erzaehlungen bis zu gesellschaftlichen Themen – unterstreicht, wie unterschiedlich KI im Film inzwischen eingesetzt wird.

Siegerkuer am 6. September in Venedig

Die Gewinner werden am 6. September 2026 in Venedig bekannt gegeben. Die Zeremonie findet in der Match Point Arena im Tennis Club Venezia auf dem Lido statt und wird von Reply gemeinsam mit Mastercard veranstaltet, begleitend zu den Filmfestspielen. Wer die Finalarbeiten sehen moechte, sollte die offiziellen Kanaele des Festivals im Auge behalten.

Was wir daraus lernen koennen

Fuer die eigene Praxis lassen sich aus dieser Auswahl mehrere Dinge ablesen. Erstens: Bewertet wird der durchgaengige, kreative Einsatz von KI ueber die gesamte Pipeline – nicht der spektakulaerste Einzeleffekt. Wer sich mit einer Produktion positionieren will, sollte KI also als roten Faden vom Drehbuch bis zur Postproduktion denken, nicht als nachtraeglichen Filter. Zweitens: Erzaehlung schlaegt Technik. Die kuratierten Themen – von persoenlichen Portraets bis zu gesellschaftlichen Fragen – zeigen, dass eine tragende Geschichte weiterhin den Unterschied macht, egal wie das Bild entstanden ist. Drittens: Die Zusammensetzung der Jury aus etablierten Kino- und VFX-Namen macht deutlich, dass handwerkliche Massstaebe aus dem klassischen Film weiter gelten – Rhythmus, Bildsprache und Ton werden mitbeurteilt. Und viertens ist die schiere Zahl von ueber 3.000 Einreichungen ein Realitaetscheck: Der Wettbewerb ist gross, die Messlatte hoch. Fuer heimische Produktionen wie unsere heisst das, frueh an einer klaren kuenstlerischen Handschrift zu arbeiten, statt nur auf Tool-Neuheiten zu setzen. Die naechste Ausgabe zu beobachten – und die eigene Einreichung rechtzeitig vorzubereiten – kann sich lohnen.